{"id":1039,"date":"2022-05-23T12:30:46","date_gmt":"2022-05-23T11:30:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/themenkapitel\/unionsbuergerschaft-2-copy\/"},"modified":"2022-05-27T17:33:12","modified_gmt":"2022-05-27T16:33:12","slug":"vertiefung-der-europaeischen-wirtschaftspolitik-2","status":"publish","type":"themenkapitel","link":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/en\/themenkapitel\/vertiefung-der-europaeischen-wirtschaftspolitik-2\/","title":{"rendered":"Vertiefung der europ\u00e4ischen Wirtschaftspolitik"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\">Die europ\u00e4ischen Vertr\u00e4ge bestimmen, dass die Mitgliedstaaten ihre Wirtschaftspolitik als Angelegenheit des gemeinsamen Interesses betrachten, und auch dementsprechend handeln. Die Einf\u00fchrung der gemeinsamen W\u00e4hrung ab 1999\/2002 hat die Notwendigkeit der wirtschaftspolitischen Koordination der Mitgliedstaaten signifikant erh\u00f6ht. Dennoch erfolgten entsprechende \u00c4nderungen der rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen nur bruchst\u00fcckhaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Bereich der Geldpolitik ist die Vergemeinschaftung innerhalb der Eurozone faktisch und rechtlich zufriedenstellend institutionalisiert. Im Bereich der Fiskalpolitik sowie der Finanzmarktpolitik ist dies jedoch nicht der Fall.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine vollst\u00e4ndige Vergemeinschaftung im Bereich der Fiskalpolitik ist jedoch weder konstitutionell noch \u00f6konomisch sinnvoll, dennoch sollte eine signifikante Europ\u00e4isierung der fiskalpolitischen Instrumente erfolgen. Im Finanzmarktbereich hingegen sollten zus\u00e4tzliche europ\u00e4ische Institutionen und Instrumente geschaffen werden. Eine Wirtschafts- und W\u00e4hrungsunion mit, einerseits, einer zentralen einheitlichen Geldpolitik und, andererseits, dezentralen sonstigen wirtschaftspolitischen Instrumenten ist auf Dauer der Gefahr ausgesetzt, nationalen oder regionalen wirtschaftlichen Ungleichgewichten nicht glaubw\u00fcrdig und effektiv entgegentreten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Daher: Setzt man den (vern\u00fcnftigen) ersten Schritt in Richtung einer W\u00e4hrungsunion, so muss man sich dessen bewusst sein, dass weitere Schritte in Richtung einer politischen Union gesetzt werden m\u00fcssen. Legitimit\u00e4t auf europ\u00e4ischer Ebene bedeutet auch, f\u00fcr h\u00f6here wirtschaftliche Stabilit\u00e4t Sorge zu tragen. Wie weit dies geht, h\u00e4ngt letztlich vom Grad der \u00dcbertragung konstitutioneller Elemente auf die europ\u00e4ischen Ebene ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Klarerweise ist der EU-Haushalt letztlich auch ein Instrument der wirtschaftspolitischen Steuerung und Umverteilung. Mit seinem Volumen von etwa 1% des BIP hat er allerdings (trotz zum Teil deutlicher struktur- oder regionalpolitischer Ausrichtungen) makro\u00f6konomisch in den meisten F\u00e4llen nur bescheidene Auswirkungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Richtungsweisender ist die im Kontext der Pandemie ins Leben gerufene NGEU (Next Generation EU) mit der Aufbau- und Resilienzfazilit\u00e4t (RRF) in einer H\u00f6he von bis zu 750 Mrd. Euro. Mit diesem Instrument wird versucht, in einem kooperativen Ansatz zwischen den Mitgliedstaaten und der Kommission Zahlungen im Gegenzug f\u00fcr \u201efreiwillige\u201c Reformma\u00dfnahmen der Mitgliedstaaten freizugeben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Einzelnen sind folgende Ma\u00dfnahmen daher sinnvoll und sollten daher rechtlich umgesetzt werden:<\/p>\n<ul>\n<li>Da eine Vergemeinschaftung der Fiskalpolitik weder aussichtsreich noch sinnvoll ist, sollte das europ\u00e4ische Fiskalinstrumentarium signifikant verbessert werden. Dies bedeutet, dass der EU-Haushalt schrittweise auf 10% des BIP erh\u00f6ht werden soll, w\u00e4hrend die entsprechenden Ausgaben in den nationalen Haushalten analog zur\u00fcckzuf\u00fchren sind.<\/li>\n<li>Die Aufbau- und Resilienzfazilit\u00e4t (RRF) sollte in den EU-Haushalt integriert werden, und als dauerhafte Einrichtung beibehalten werden. Das wesentliche Element der kooperativen Reformprogramme ist beizubehalten und die Kontrolle der tats\u00e4chlichen Reformumsetzung glaubw\u00fcrdig auszubauen. Dabei sollten dem EU-Parlament verst\u00e4rkte Rechte im Vergleich zur derzeitigen RRF \u00fcbertragen werden.<\/li>\n<li>Ein gewisser Teil des EU-Haushaltes sollte als Konjunkturreserve ausgestaltet werden, sodass im Falle eines allgemeinen oder regionalen Konjunktureinbruches gegengesteuert werden kann.<\/li>\n<li>Die Finanzierung des Haushaltes soll durch ein System von EU-Steuern erfolgen, wobei der Rat hier mit qualifizierter Mehrheit zu entscheiden hat.<\/li>\n<li>Der Stabilit\u00e4tsakt (SWP) ist zu vereinfachen, und &#8211; als eine der Sanktionsm\u00f6glichkeiten bei Verst\u00f6\u00dfen &#8211; eine Rechtfertigung des nationalen Finanzministers vor dem EU-Haushaltsausschuss vorzusehen in gravierenden F\u00e4llen des Regierungschefs vor dem Plenum.<\/li>\n<li>Im Bereich der in nationaler Kompetenz befindlichen Steuern ist ein Rechtsrahmen zu schaffen, der verbindlich verhindert, dass rechtliche Umgehungskonstruktionen zu Steuerverschiebungen und -vermeidungen zwischen Mitgliedstaaten erfolgen.<\/li>\n<li>F\u00fcr gewisse Bereiche der Steuerpolitik sind Entscheidungen mit qualifizierter Mehrheit, anstatt der derzeitigen Einstimmigkeitserfordernisse einzuf\u00fchren.<\/li>\n<li>Im Bereich der Finanzmarktaufsicht ist eine europ\u00e4ische Aufsicht (zus\u00e4tzlich zu den Banken) auch f\u00fcr andere Sektoren einzurichten, also Versicherungen und Wertpapiere. Eine zentrale Geldw\u00e4scheaufsicht ist ebenfalls einzurichten.<\/li>\n<li>Im Bereich der Bankenaufsicht und -abwicklung sind die bestehenden Behinderungen bei grenz\u00fcberschreitenden Bankengruppen rechtlich zu beseitigen. Dies erfordert eine st\u00e4rkere Europ\u00e4isierung der Abwicklung von Banken sowie deren Finanzierung. Dies sollte nicht nur innerhalb der W\u00e4hrungsunion Geltung haben, sondern, soweit rechtlich m\u00f6glich, im gesamten Binnenmarkt.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"featured_media":1036,"template":"","class_list":["post-1039","themenkapitel","type-themenkapitel","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/themenkapitel\/1039","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/themenkapitel"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/themenkapitel"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1036"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1039"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}