{"id":981,"date":"2022-05-23T22:00:49","date_gmt":"2022-05-23T21:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/?post_type=themenkapitel&#038;p=981"},"modified":"2022-05-27T17:27:38","modified_gmt":"2022-05-27T16:27:38","slug":"die-transformation-als-chance","status":"publish","type":"themenkapitel","link":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/fr\/themenkapitel\/die-transformation-als-chance\/","title":{"rendered":"Die Transformation als Chance"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\">2019 k\u00fcndigte Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen in ihrer Agenda f\u00fcr Europa den European Green Deal an. Damit erkl\u00e4rte sie die Klimaneutralit\u00e4t und den Kampf gegen den Klimawandel zur Priorit\u00e4t f\u00fcr Europa.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Darin wird unter anderem eine Reduktion der CO2-Emmissionen bis 2030 um nicht weniger als 55 % gegen\u00fcber 1990 und das vollkommene Erreichen der Klimaneutralit\u00e4t bis 2050 festgelegt. Au\u00dferdem soll mit der Einf\u00fchrung eines CO2-Grenzausgleichs die Verlagerung von CO2-Emissionen und die Regelkonformit\u00e4t mit WHO-Vorgaben erreicht werden. Zugleich werden damit die Verpflichtungen der EU im Rahmen des \u00dcbereinkommens von Paris (2015), die eine Begrenzung der Erderw\u00e4rmung gegen\u00fcber der Durchschnittstemperatur in vorindustrieller Zeit auf weniger als\u00a0 2 \u00b0C vorsehen, erf\u00fcllt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das EU-Mitglied \u00d6sterreich steht in vielen Punkten gut da, etwa im Bereich des Anteils erneuerbarer Energie, der \u2013 im Vergleich zum EU-Durchschnitt von etwa 20 % \u2013 bei letztlich ca. 34 % lag. \u00d6sterreich will seinen Strombedarf bis 2030 bilanziell zu 100 % aus erneuerbaren Energien decken. Das Ziel der Klimaneutralit\u00e4t m\u00f6chte \u00d6sterreich 2040 \u2013 also bereits 10 Jahre vor dem EU-Ziel \u2013 erreichen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00dcberdies entschied sich auch \u00d6sterreich schlie\u00dflich als einer der letzten langj\u00e4hrigen EU-Mitgliedsstaaten in die CO2-Bepreisung einzusteigen \u2013 jede Tonne CO2 kostet hierzulande dann 30 Euro. Milliarden werden und m\u00fcssen in den kommenden Jahren bewegt werden, um die gesamte Wirtschaft in eine \u00d6ko-Wirtschaft zu transformieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Transformation hat naturgem\u00e4\u00df zur Folge, dass Heiz- und Benzinkosten steigen, was nun durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine in nie dagewesener Art weiter befeuert wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Daher braucht es auch eine Debatte \u00fcber den richtigen sozialen Ausgleich, um den Einstieg in die Klimapolitik nicht zum Bumerang zu machen und eine Gelbwesten-Bewegung hervorzurufen. Eine weitere Spaltung der Bev\u00f6lkerung, die durch die Fluchtbewegung 2015 sowie resultierende Rechtspopulismen entfacht und durch die COVID-19-Pandemie auf die Spitze getrieben wurde, gilt es mit allen Mitteln abzuwenden. Wie Corona-Leugner d\u00fcrfen nicht auch Klimawandel-Leugner durch Paternalismus und Populismen politisch befeuert werden. Politische Partizipation muss vielmehr gest\u00e4rkt werden und die Notwendigkeiten und Bed\u00fcrfnisse der Menschen ernst genommen werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gleichzeitig darf die gebotene Sensibilit\u00e4t und die vielen praktischen Details uns nicht den Blick auf das gro\u00dfe Ganze verstellen. Die \u00fcberf\u00e4llige \u00d6kologisierung unserer Wirtschaft ist ein Jahrhundert-Projekt im Weltma\u00dfstab.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieses Herkulesprojekt hat sich der European Green Deal zur Aufgabe gemacht, um in unz\u00e4hligen Politikbereichen Reformen zur Bew\u00e4ltigung dieser durchzuf\u00fchren. Energie, Digitaltechnik, Verkehr, Mobilit\u00e4t und Landwirtschaft sind nur einige Beispiele &#8211; die \u00dcberlappungen und \u00dcberschneidungen zu vielen anderen EU-Politikbereichen zudem un\u00fcbersehbar.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Branchen\u00fcbergreifend ist die Verbrennung fossiler Brennstoffe die gr\u00f6\u00dfte Quelle von Treibhausgasen, weshalb die Dekarbonisierung ganz oben auf der EU-Agenda steht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Verkehr tr\u00e4gt zu rund einem Drittel der CO2-Emissionen in der EU bei; der Umstieg auf emissionsfreie und intelligente Mobilit\u00e4t ist also spielentscheidend. E-Mobilit\u00e4t befindet sich noch in einer fr\u00fchen Markteinf\u00fchrungsphase und es wird dauern bis Wertsch\u00f6pfungsketten vom Abbau der Rohstoffe bis zur Stromversorgung der E-Mobilit\u00e4t angepasst werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein Teil der Umstiegs-Kosten wird durch j\u00e4hrlich steigende CO2-Steuern f\u00fcr Stra\u00dfen-, Luft-, und Wasserverkehr gef\u00f6rdert werden. Das ist ein Impetus f\u00fcr die Entwicklung innovativer Mobilit\u00e4tskonzepte und Gesch\u00e4ftsmodelle, die B\u00fcrgerInnen und G\u00fctern eine attraktive Alternative bieten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Industrie und Handel sind nach dem Verkehr der zweitgr\u00f6\u00dfte Treibhausgasemittent. \u00d6kobilanzen auf Industrie-, Firmen-, und Produktebene tragen schon jetzt dazu bei, CO2-Einsparungspotenziale und neue Gesch\u00e4ftschancen zu identifizieren. Da die Europ\u00e4ische Union ein wichtiger globaler Absatzmarkt ist, haben diese Initiativen einen positiven Einfluss auf Zulieferer aus anderen Kontinenten. Zumal die EU plant, die Einfuhr ausgew\u00e4hlter CO2-intensiver Produkte mit entsprechenden Z\u00f6llen zu sanktionieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00dcber die Branchen hinweg spielt aber die Lebensmittelwertsch\u00f6pfungskette die wichtigste Rolle zur Erreichung der Klimaneutralit\u00e4t. Dementsprechend ist ein Drittel des Budgets im European Green Deal f\u00fcr die Strategie \u201eVom Hof auf den Tisch\u201c reserviert. Diese Transformation er\u00f6ffnet eine Reihe neuer gr\u00fcner Marktchancen, angefangen bei Regionalit\u00e4t und Abfallvermeidung hin zur Entwicklung innovativer Produkt-, Verpackungs- und Vertriebskonzepte. Zudem m\u00fcssen Investitionen in alternative L\u00f6sungen zur CO2-Aufnahme und -Speicherung gef\u00f6rdert werden und so ein Impuls zur Renaturierung europ\u00e4ischer B\u00f6den, W\u00e4lder und Feuchtgebiete gesetzt werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Seit Einf\u00fchrung der Sustainable Development Goals (SDGs) der UNO im Jahr 2015 ist die EU f\u00fchrend im Kampf gegen den Klimawandel. Damit besteht auch die einmalige Chance wieder Vorreiter und Vorbild f\u00fcr andere Staaten und Kontinente zu sein.\u00a0\u00a0\u00a0 Die eingangs erw\u00e4hnte Vision, bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent zu werden, ist durch Unternehmergeist und Zusammenarbeit auf allen Gesellschaftsebenen keine Utopie mehr, sondern durchaus umsetzbar.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Mobilisierung von rund 1 Billion Euro bis 2030 durch den Green Deal der EU wird also nicht nur die Abgas-Emissionen drastisch senken, sondern auch neue gr\u00fcne Arbeitspl\u00e4tze schaffen, nachhaltige Gesch\u00e4ftsmodelle unterst\u00fctzen und Entrepreneurship in klimarelevanten Bereichen f\u00f6rdern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Insofern m\u00fcssen Wirtschaft und Umwelt zusammen gedacht werden; es gibt kein Entweder-Oder. Denn genauso wenig wie sich Wirtschaft und soziale R\u00fccksichtnahme widersprechen, so wenig tun dies Wirtschaft und umweltbewusstes Handeln. Richtig geplant und koordiniert bereichern sie sich n\u00e4mlich sogar gegenseitig. Der \u00dcbergang zu einer klimaneutralen Gesellschaft ist somit nicht nur eine unmittelbare Herausforderung, sondern wird auch zur gro\u00dfen Chance.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es geht um nicht weniger als den gr\u00f6\u00dften neuen Markt seit dem Vormarsch des Internets, der durch die Gr\u00fcne Wende er\u00f6ffnet wird. Die Wirtschaftsexperten von Bloomberg sch\u00e4tzen, dass sich nachhaltiges Investment in den letzten zehn Jahren auf rund 500 Milliarden Euro verdoppelt hat. Die n\u00e4chsten zehn Jahre versprechen ein Vielfaches dieser Summe zu mobilisieren. Bereits heute aktivieren die Finanzierungs-Zusagen des Green Deal und SDG-orientierte Investmentportfolios der Big Banks stratosph\u00e4rische Billionen-Betr\u00e4ge. Unternehmen, die sich der Umsetzung der SDGs verschreiben, k\u00f6nnten so die Apples und Facebooks von morgen sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein erstes Ergebnis kann sich sehen lassen: Bereits heute sind europ\u00e4ische Unternehmen in der Gr\u00fcnen Wende vielen anderen in der Welt einen Schritt voraus. Fast die H\u00e4lfte der 100 nachhaltigsten Unternehmen der Welt haben ihren Sitz in Europa.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dabei muss Greenwashing durch oberfl\u00e4chliche Projekte, die nur das Firmen-Image aufpolieren sollen, deutlich erschwert werden. Die EU-Taxonomieverordnung ist daher ein n\u00f6tiges Tool, um nicht letztlich umweltsch\u00e4dliche Praktiken mit einem gr\u00fcnen \u201eMascherl\u201c zu versehen. Hierbei d\u00fcrfen jedoch nicht nachhaltige Energien wie fossiles Gas oder Atomkraft, deren Endlagerungsfrage noch immer nicht gekl\u00e4rt ist, nicht formell legitimiert werden. Vielmehr muss klar und deutlich eine dicke rote Linie zwischen klima- und umweltsch\u00e4dlichen Vorg\u00e4ngen und nachhaltigen Zukunftsinvestitionen gezogen werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zugleich muss jedoch auch ein breites Bewusstsein f\u00fcr die Vorteile umweltbewussten Handelns f\u00fcr die Wirtschaft bei den Unionsb\u00fcrgerInnen geschaffen werden und die Menschen so bei den notwendigen Ver\u00e4nderungen mitgenommen werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dabei ist es unumg\u00e4nglich den KonsumentInnen und den Wirtschaftstreibenden genau zuzuh\u00f6ren und ihre Wahrnehmungen und W\u00fcnsche bei den Reformprozessen der Europ\u00e4ischen Union zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Denn in einer vernetzten globalen Gesellschaft, die vor gro\u00dfen Herausforderungen steht, ist die Vorbildrolle der EU-B\u00fcrgerInnen wichtiger denn je. Die Vision, bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent zu werden, ist nicht nur eine Verpflichtung gegen\u00fcber zuk\u00fcnftigen Generationen. Sie birgt auch viele Chancen f\u00fcr die Wirtschaft und innovative UnternehmerInnen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"featured_media":1029,"template":"","class_list":["post-981","themenkapitel","type-themenkapitel","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/themenkapitel\/981","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/themenkapitel"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/themenkapitel"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1029"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=981"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}