{"id":984,"date":"2022-05-23T20:30:37","date_gmt":"2022-05-23T19:30:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/?post_type=themenkapitel&#038;p=984"},"modified":"2022-05-27T17:28:10","modified_gmt":"2022-05-27T16:28:10","slug":"energie","status":"publish","type":"themenkapitel","link":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/fr\/themenkapitel\/energie\/","title":{"rendered":"Energie"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\">Bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent zu werden ist erkl\u00e4rtes Ziel des European Green Deal. Energie ist die Grundlage f\u00fcr menschliche Entwicklung und daher von enormer Bedeutung f\u00fcr das Wohlbefinden der europ\u00e4ischen Bev\u00f6lkerung sowie den Erfolg der europ\u00e4ischen Wirtschaft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Nutzung erneuerbarer Energien tr\u00e4gt zur Verringerung der Treibhausgasemissionen, Diversifizierung der Energieversorgung und Reduktion der Abh\u00e4ngigkeit von den M\u00e4rkten fossiler Brennstoffe (insbesondere \u00d6l und Gas) bei. Das Potenzial durch vermehrte Nutzung erneuerbarer Energiequellen die Besch\u00e4ftigung in der EU zu f\u00f6rdern ist hoch.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mehrere erneuerbare Energietechnologien haben in den letzten Jahren bei den Kosten, der Leistung und der Akzeptanz rasche Fortschritte gemacht. Das erh\u00f6ht die Chancen f\u00fcr das Gelingen der Energiewende. Der rasche Einsatz und die Senkung der St\u00fcckkosten modularer Technologien wie Solarenergie, Windkraft und Batterien sind viel schneller erfolgt als von ExpertInnen erwartet und in fr\u00fcheren Szenarien zur Abschw\u00e4chung des Klimawandels modelliert. Die politische, wirtschaftliche, soziale und technische Machbarkeit von Solarenergie, Windenergie und Stromspeichertechnologien hat sich in den letzten Jahren dramatisch verbessert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Gegensatz dazu ist die Einf\u00fchrung der Kernenergie und der CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) im Elektrizit\u00e4tssektor langsamer verlaufen als die in den Stabilisierungsszenarien erwarteten Wachstumsraten. Kleine Technologien (z. B. Solarenergie, Batterien) konnten sich nicht nur schneller verbessern, sie genie\u00dfen auch h\u00f6here gesellschaftliche Akzeptanz als Gro\u00dftechnologien (IPCC 2022).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Anteil des Energieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen in Europa liegt derzeit bei 22,1 % (EEA 2022). Der Anteil der erneuerbaren Energien hat sich zwischen 2005 und 2020 mehr als verdoppelt, was auf gezielte politische Ma\u00dfnahmen und F\u00f6rderregelungen sowie auf die gestiegene Wettbewerbsf\u00e4higkeit der erneuerbaren Technologien zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Dieser Trend entsprach einem durchschnittlichen j\u00e4hrlichem Anstieg von 0,8 Prozentpunkten w\u00e4hrend des 15-Jahres-Zeitraums. Der Anstieg im Jahr 2020 (von 2,2 Prozentpunkten) war der gr\u00f6\u00dfte in der gesamten Zeitreihe und diese Dynamik h\u00e4lt an. Wenngleich diese Entwicklungen erfreulich sind, kommt 78 % der in der EU genutzten Energie noch immer von fossilen Energietr\u00e4gern. Weltweit haben 80 % der Klimagasemissionen noch immer keinen Preis und die Information welche InvestorInnen auf Basis der EU-Taxonomie bez\u00fcglich Atomenergie und Erdgas erhalten, ist aus \u00f6kologisch-\u00f6konomischer Sicht problematisch.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">In Zukunft sollte die dezentrale Eigenversorgung mit erneuerbaren Energien, individuell oder in lokalen Energiegemeinschaften, gest\u00e4rkt werden. Durch Integration von PV, Speicher und smarter Verbrauchssteuerung, insbesondere f\u00fcr E-Mobilit\u00e4t, kann der Lastausgleich verbessert werden und so die Abh\u00e4ngigkeit von volatilen und derzeit extrem hohen Spotmarktpreisen, welche aufgrund des Merit Order-Prinzips von fossil befeuerten Kraftwerken determiniert werden, reduziert werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">In Unterschied zu den Erfolgen bei den erneuerbaren Technologien wird das Potenzial von Energiesparma\u00dfnahmen oftmals untersch\u00e4tzt und sie werden wenig genutzt. Szenarien f\u00fcr die Dekarbonisierung des Energiesystems gehen von einem machbaren und auch notwendigen Energieeinsparungspotenzial von min. 25 % aus. Der Fortschritt bei der Nutzung dieses Potenzials hinkt jedoch den technologischen Erfolgen bei den Erneuerbaren hinterher. Einerseits erfordert die Steigerung der Energieeffizienz jenseits der Verbesserung einzelner Technologien und Produktionsprozesse, also systemische Effizienzsteigerungen, Koordination und Kooperation und andererseits scheuen sich Entscheidungstr\u00e4gerInnen zur Reduktion des Energieverbrauchs aufzurufen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ziele f\u00fcr die Energiebereitstellung sind sichere, leistbare und gr\u00fcne Energie f\u00fcr die B\u00fcrgerInnen und Unternehmen in der EU. Sp\u00e4testens seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine erf\u00fcllt Erdgas keine dieser Kriterien. Die Aussicht aus russischem Erdgas rasch aussteigen zu m\u00fcssen stellt einzelne Mitgliedsl\u00e4nder vor enorme Herausforderungen, da sie viel zu lange auf die Nutzung von Erdgas setzten und einige L\u00e4nder diese Abh\u00e4ngigkeit bis in die j\u00fcngere Vergangenheit sogar noch ausbauten. Das Narrativ von Erdgas als Br\u00fcckentechnologie verz\u00f6gerte die aus Klimaschutzgr\u00fcnden notwendige Energiewende und macht Europa in hohem Ausma\u00df erpressbar. Diese \u00fcber Jahrzehnte gewachsene Abh\u00e4ngigkeit kann weder unmittelbar noch kurzfristig ge\u00e4ndert werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Verwerfungen der letzten Jahre aufgrund von unterbrochenen Lieferketten w\u00e4hrend der COVID-19-Pandemie und das Risiko mit einem tr\u00e4gen Energiesystem auf rasche Ver\u00e4nderungen reagieren zu m\u00fcssen, hat zu hohen Energiepreisen und Verunsicherung der Bev\u00f6lkerung und bei einigen UnternehmerInnen gef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hohe Energiepreise sind in einer Marktwirtschaft ein essenzieller Teil der Energiewende. Aufgrund des Preissignals wird angezeigt, dass Energieressourcen nicht nur knapp, sondern auch wertvoll sind. \u00d6konomInnen fordern seit Jahrzehnten einen avisierten kontinuierlich ansteigenden Energiepreispfad mittels Steuern oder handelbaren Zertifikaten, damit alle \u00f6konomischen AkteurInnen \u00f6kologisch korrigierte Preissignale erhalten. Derartige Eingriffe in die verf\u00fcgbaren Einkommen erfordern freilich begleitende Ma\u00dfnahmen um die regressive Wirkung einzud\u00e4mmen. Statt des langfristigen Anstiegs in planbarem Ausma\u00df f\u00fchrt die hohe Unsicherheit und das Merit Order-Prinzip am Markt aktuell zu kurzfristigen Preisanstiegen in teilweise enormem Ausma\u00df, was von manchen Haushalten und Unternehmen schwer bew\u00e4ltigbar ist. Weitestgehende Versorgung aus regionalen erneuerbaren Energiequellen, internationale Liefervertr\u00e4ge von erneuerbaren Energiediensten und soziale Innovationen wie Energie als Universal Basic Service (Gough 2018) sind m\u00f6gliche Elemente der Krisenbew\u00e4ltigung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Um die Energieversorgung sichern zu k\u00f6nnen, werden kurzfristig Ma\u00dfnahmen notwendig sein, z.B. neue Bezugsquellen f\u00fcr fossiles Gas zu akquirieren, die teuer und aus \u00f6kologischer Sicht problematisch sind. Nichtsdestotrotz und gerade deswegen muss an den langfristigen Zielen des Green Deal festgehalten werden. Ma\u00dfnahmen zur Erreichung der Klima- und Energieziele der Europ\u00e4ischen Union m\u00fcssen beschleunigt und noch konsequenter umgesetzt werden. Mittel- bis langfristig kann nur die Energiewende das Zieldreieck der Energiewirtschaft \u2013 Versorgungssicherheit, Leistbarkeit, \u00d6kologie \/ Klimavertr\u00e4glichkeit \u2013 erf\u00fcllen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Um in Europa die Energiewende zum Erfolg zu f\u00fchren, die Versorgung mit leistbarer Energie zu sichern und die n\u00f6tigen Energiemengen f\u00fcr die Dekarbonisierung der Wirtschaft bereitstellen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen alle Energiespar- und Effizienzpotenziale genutzt werden. Die erforderlichen Projekte zur Energieproduktion, Verteilung und Speicherung m\u00fcssen rasch umgesetzt werden. Alle Entscheidungstr\u00e4gerInnen von der EU- bis zur Gemeindeebene m\u00fcssen Verantwortung \u00fcbernehmen, damit Projekte im geforderten Zeitrahmen genehmigt und umgesetzt werden k\u00f6nnen. Energiewenderelevanten Projekten ist unabh\u00e4ngig von ihrer Gr\u00f6\u00dfe und dem grenz\u00fcberschreitenden Charakter ein Status der hohen Wertigkeit zu verleihen, Genehmigungen d\u00fcrfen nicht auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben werden Die Energiewende kann aber nur Realit\u00e4t werden, wenn sie auch in das System integriert werden kann. Der Systemumbau muss daher genauso z\u00fcgig angegangen werden. Langfristig wirkende Investitionen in Netze und Speicher m\u00fcssen daher jetzt erfolgen, dabei gilt es fossile Lock-In-Effekte zu vermeiden. Auch daf\u00fcr braucht es das Commitment aller Entscheidungstr\u00e4gerInnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr die Industrie m\u00fcssen die Optionen Wasserstoff und CO2-Recycling zug\u00e4nglich gemacht werden (Rechtsrahmen). Es braucht eine Strategie f\u00fcr die Deckung des Importbedarfs (ohne sich von Atomstrom abh\u00e4ngig zu machen). Neben den produzierten Mengen an Energietr\u00e4gern ist die Verf\u00fcgbarkeit zum Zeitpunkt und Ort des Bedarfs wesentlich. Beispiele f\u00fcr systemische Effizienzverbesserungen sind das Nutzbarmachen der Abw\u00e4rme- und Umgebungsw\u00e4rmepotenziale und der Ausbau von Angeboten und Kapazit\u00e4ten im Schienen- und Schiffsverkehr zur G\u00fcter- und Personenbef\u00f6rderung.<\/span><\/p>\n","protected":false},"featured_media":1029,"template":"","class_list":["post-984","themenkapitel","type-themenkapitel","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/themenkapitel\/984","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/themenkapitel"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/themenkapitel"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1029"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=984"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}