{"id":985,"date":"2022-05-23T20:00:37","date_gmt":"2022-05-23T19:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/?post_type=themenkapitel&#038;p=985"},"modified":"2022-05-27T17:28:18","modified_gmt":"2022-05-27T16:28:18","slug":"mobilitaet","status":"publish","type":"themenkapitel","link":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/fr\/themenkapitel\/mobilitaet\/","title":{"rendered":"Mobilit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\">Mobil zu sein ist eines unserer Grundbed\u00fcrfnisse, und der Transport von Menschen und G\u00fctern ist wesentlicher Bestandteil unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems. Gleichzeitig ist der Verkehrssektor das Sorgenkind bei der Bek\u00e4mpfung der Klimakrise. Im Gegensatz zu anderen Sektoren, die ihren Treibhausgasaussto\u00df in den letzten Jahrzehnten erheblich senken konnten, sind die Emissionen aus dem Verkehr seit 1990 um ca. ein Viertel gestiegen \u2013 in \u00d6sterreich sogar um ca. 50 %. Um Klimaneutralit\u00e4t bis 2050 \u2013 in \u00d6sterreich sogar bis zum Jahr 2040 &#8211; im Verkehrssektor zu erreichen, ist daher eine enorme Kraftanstrengung n\u00f6tig.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Mobilit\u00e4tswende ist jedoch nicht nur aus Klimaschutzgr\u00fcnden ein Gebot der Stunde. Klimaneutrale und ressourcenschonende Verkehrssysteme leisten einen Beitrag zur L\u00e4rmreduktion und Luftreinhaltung, verringern den Fl\u00e4chenverbrauch und bewahren die Biodiversit\u00e4t. Nicht zuletzt leistet die Mobilit\u00e4tswende einen Beitrag zur Gesundheit und zur Steigerung der Lebensqualit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Um das Jahrhundertprojekt Mobilit\u00e4tswende gelingen zu lassen, braucht es drei zentrale Ans\u00e4tze: Wir m\u00fcssen europaweit Verkehr vermeiden und Verkehr verlagern (=Verkehrswende). Parallel dazu muss die Energiewende im Verkehr gelingen (Verbessern). Diese gelingt mit dem Phase-Out fossiler Energietr\u00e4ger, dem Anstieg der Energieeffizienz im Verkehrssystem und 100 % erneuerbarer Energie im Verkehr.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Mobilit\u00e4tswende ist eine nationale, aber ebenso eine europ\u00e4ische Aufgabe \u2013 und nicht nur, wenn es um grenz\u00fcberschreitenden Verkehr geht. Es braucht Planungssicherheit f\u00fcr die B\u00fcrgerInnen, die Automobilindustrie und ihre Zulieferer sowie den Transportsektor, aber auch all jene Wirtschaftsakteure, die auf Mobilit\u00e4tsdienstleistungen angewiesen sind. Deshalb sind m\u00f6glichst einheitliche und klare und im besten Fall europ\u00e4ische L\u00f6sungen gefragt. Die von der Europ\u00e4ischen Kommission im Dezember 2020 als Teil des Green Deal vorgestellte \u201eStrategie f\u00fcr nachhaltige und intelligente Mobilit\u00e4t\u201c identifiziert zehn Leitinitiativen: von der Verbreitung emissionsfreier Fahrzeuge \u00fcber die \u00d6kologisierung des G\u00fcterverkehrs bis hin zur CO2-Bepreisung des Verkehrssektors. Im Fitfor55-Paket der EU, mit dem die Emissionsziele f\u00fcr 2030 umgesetzt werden sollen, sind zahlreiche mobilit\u00e4tsbezogene Gesetzesvorschl\u00e4ge enthalten. Verhaltens\u00e4nderungen sollen dadurch erleichtert werden, dass es Angebote gibt, die von den Menschen und den Unternehmen als \u00e4quivalent oder sogar attraktiver wahrgenommen werden. Ein gut ausgebauter und leistbarer \u00f6ffentlicher Verkehr oder praktikable Angebote f\u00fcr die G\u00fcterbef\u00f6rderung auf der Schiene oder auf Wasserstra\u00dfen k\u00f6nnen die Mobilit\u00e4tswende beschleunigen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zentrale Elemente einer EU-weiten Kraftanstrengung hin zur Dekarbonisierung des Mobilit\u00e4tssektors sollten sein:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\"><u>Vermeiden: <\/u><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es braucht eine Trendumkehr weg vom bisherigen Verkehrswachstum des Personen- und G\u00fcterverkehrs, insbesondere bei steigenden Bev\u00f6lkerungszahlen. Gelingen kann diese unter anderem durch St\u00e4rkung regionaler Kreisl\u00e4ufe, durch Kostenwahrheit und wegevermeidende Raumplanung, durch regulative Eingriffe wie z.B. ein Verbot der Vernichtung von Retourware im Internethandel, durch ge\u00e4ndertes Verhalten, wie z.B. eine verst\u00e4rkte Inanspruchnahme von Home-Office und nicht zuletzt durch die Digitalisierung, z.B. durch Videokonferenzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ohne eine Entkoppelung von G\u00fcterverkehr und Wirtschaftswachstum kann die Mobilit\u00e4tswende jedoch nicht gelingen &#8211; eine Fortsetzung der historischen Steigerungsraten in der Verkehrs- und Transportleistung ist jedenfalls mit der Klimaneutralit\u00e4t Europas nicht vereinbar.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\"><u>Verlagern im Bereich des Personenverkehrs: <\/u><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Modal Split im Bereich des Personenverkehrs muss sich deutlich in Richtung des Umweltverbundes (\u00f6ffentlicher Verkehr und aktive Mobilit\u00e4t) entwickeln. Der Ausbau der Infrastruktur f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Verkehr, die Verbesserung des Angebots und insbesondere auch die Forcierung der Multimodalit\u00e4t sind zentrale Voraussetzungen f\u00fcr die Trendwende. Intelligente Mobilit\u00e4tsservices, Shared Mobility und Flatrates f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Verkehr k\u00f6nnen auf nationaler Ebene einen Beitrag dazu leisten, den Anteil des Individualverkehrs zu senken. Die Realisierung neuer Nacht- und Fernz\u00fcge als Alternative zum Flugverkehr sollte auf europ\u00e4ischer Ebene massiv vorangetrieben werden. Notwendig ist daf\u00fcr unter anderem, dass das Wagenmaterial vervielfacht wird und die Herangehensweisen in den Mitgliedsstaaten harmonisiert werden. Multimodale Reiseinformations-, Buchungs- und Fahrscheindienste m\u00fcssen dringend aufgebaut und verbreitet werden. Eine EU-weite Kerosinsteuer auf fossile Energietr\u00e4ger und Sozialstandards f\u00fcr Besch\u00e4ftige im Bereich der Luftfahrt schaffen faire Wettbewerbsbedingungen zwischen den Verkehrstr\u00e4gern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\"><u>Verlagern im Bereich des G\u00fcterverkehrs: <\/u><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zuk\u00fcnftig m\u00fcssen weit mehr G\u00fcter auf der Schiene oder der Wasserstra\u00dfe transportiert werden. Dies ist insbesondere im (grenz\u00fcberschreitenden) Langstreckenverkehr sinnvoll und m\u00f6glich. Der Auf- und Ausbau eines effizienten europ\u00e4ischen Eisenbahnraums und attraktive Angebote f\u00fcr den grenz\u00fcberschreitenden Schieneng\u00fcterverkehr, z.B. in Form der EU-Schieneng\u00fcterverkehrskorridore, muss hier Priorit\u00e4t haben. Digitalisierung, Automatisierung, Digitale Kupplung etc. m\u00fcssen vorangetrieben werden. Dem kombinierten Verkehr (wie die Rollende Landstra\u00dfe) und der Intermodalit\u00e4t sollten hier besonderes Augenmerk geschenkt werden \u2013 die bed\u00fcrfnisorientierte Verkn\u00fcpfung einzelner Verkehrsmittel unterst\u00fctzt Unternehmen dabei, den Transport ihrer Waren zu dekarbonisieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bereits die Raum- und Verkehrsplanung sollte die Voraussetzungen schaffen, um die Verlagerung der G\u00fcter auf die Bahn oder die Wasserstra\u00dfe zu erleichtern, wie z.B. Anschlussgleise f\u00fcr gro\u00dfe Unternehmen oder Terminals in Industriegebieten. Um den fairen Wettbewerb zwischen den Verkehrstr\u00e4gern Stra\u00dfe und Schiene zu gew\u00e4hrleisten, m\u00fcssen ungerechtfertigte Wettbewerbsvorteile im Transportgewerbe beseitigt werden, dazu geh\u00f6rt auch die Bek\u00e4mpfung von Lohn- und Sozialdumping.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\"><u>Verbessern &#8211; Energieeffizienz und Reduktion von Emissionen: <\/u><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Um eine vollst\u00e4ndige Elektrifizierung bzw. Dekarbonisierung der Neuwagenflotte \u2013 rechtzeitig zur Erreichung der Pariser Klimazeile \u2013 zu erm\u00f6glichen, m\u00fcssen die europ\u00e4ischen CO2-Flottengrenzwerte weiter reduziert werden. Die Anreize f\u00fcr Hersteller, Nullemissionsfahrzeuge auf den Markt zu bringen, sollten verst\u00e4rkt und weiterentwickelt werden. Dies betrifft nicht nur den PKW-Sektor, sondern besonders auch schwere Nutzfahrzeuge und insbesondere Busse. EU-weite Festlegungen, die CO2-Emissionen von Neuwagen ab dem Jahr 2035 auf Null zu setzen, schaffen Planungssicherheit f\u00fcr die europ\u00e4ische Automobilindustrie und zeigen einen klaren Weg zur Dekarbonisierung des Stra\u00dfenverkehrs auf.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Begleitet muss dies vom Ausbau der Infrastruktur f\u00fcr emissionsfreie Fahrzeuge entlang der nationalen und transeurop\u00e4ischen Hauptverkehrsachsen werden sowie von einer Vereinheitlichung der Energieinfrastruktur, mit transparenten und fairen Preisen. Die M\u00f6glichkeiten, die die Digitalisierung bietet, um Verkehrsfl\u00fcsse zu optimieren, sollen ausgesch\u00f6pft werden \u2013 z.B. Telematik oder Peak pricing. Auch der Schienen- und der Schiff- sowie Luftverkehr m\u00fcssen dekarbonisiert werden. Weil emissionsfreie Technologien aus heutiger Sicht nicht alle Anwendungen, insbesondere in der Schiff- und Luftfahrt, abdecken k\u00f6nnen, braucht es erneuerbare synthetische Treibstoffe sowie innovative Antriebssysteme basierend auf Wasserstoff und Batterie.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Mobilit\u00e4tswende ist conditio sine qua non, um Europa 2050 klimaneutral zu machen. Um sie zu erreichen, gilt es die Innovationskraft der europ\u00e4ischen Unternehmen zu st\u00e4rken und die wirtschaftlichen Chancen umweltfreundlicher Mobilit\u00e4t zu nutzen &#8211; damit wir sp\u00e4testens 2050 mit einem nachhaltigen, klimaneutralen, sicheren, resilienten, gendergerechten, sozialen und wirtschaftsvertr\u00e4glichen Mobilit\u00e4tssystem leben und wirtschaften k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"featured_media":1029,"template":"","class_list":["post-985","themenkapitel","type-themenkapitel","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/themenkapitel\/985","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/themenkapitel"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/themenkapitel"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1029"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=985"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}