{"id":989,"date":"2022-05-23T18:00:36","date_gmt":"2022-05-23T17:00:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/?post_type=themenkapitel&#038;p=989"},"modified":"2022-05-27T17:29:26","modified_gmt":"2022-05-27T16:29:26","slug":"klimaschutz-und-soziale-gerechtigkeit","status":"publish","type":"themenkapitel","link":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/sv\/themenkapitel\/klimaschutz-und-soziale-gerechtigkeit\/","title":{"rendered":"Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\">Die Klimakrise ist m\u00f6glicherweise die komplexeste und gravierendste Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Bei allem Bewusstsein, dass jede und jeder einen Unterschied machen kann, ist es nicht zielf\u00fchrend, in erster Linie auf die individuelle \u00c4nderung von Lebensstilen und Verhaltensweisen zu setzen. Es braucht grundlegende politische Weichenstellungen, wobei Ma\u00dfnahmen, die auf europ\u00e4ischer oder gar globaler Ebene umgesetzt werden k\u00f6nnen, auf der einen Seite einen h\u00f6heren Koordinierungsaufwand mit sich bringen, auf der anderen Seite aber effizienter und effektiver sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Ungleichheit sch\u00e4digt das Klima und hemmt die Klimapolitik <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das reichste 1% verursacht weltweit mehr als doppelt so viel CO2-Aussto\u00df wie die \u00e4rmere H\u00e4lfte. Der \u00f6kologische Fu\u00dfabdruck wohlhabender Menschen ist ma\u00dfgeblich gr\u00f6\u00dfer als jener mit geringen Einkommen und Verm\u00f6gen. Gleichzeitig sind Menschen unterschiedlich stark von klimapolitischen Ma\u00dfnahmen betroffen &#8211; vor allem, wenn Verbrauchssteuern auf G\u00fcter des t\u00e4glichen Bedarfs eingef\u00fchrt werden und damit f\u00fcr viele etwa das Heizen teurer wird. Noch problematischer wird diese Form der Klimapolitik f\u00fcr jene Menschen, die nicht auf die Preissteigerung reagieren k\u00f6nnen, indem sie den Verbrauch reduzieren oder verlagern. Das betrifft etwa MieterInnen, die keinen Einfluss auf die Beschaffenheit ihrer Heizung und Isolierung ihres Wohnhauses haben, oder auch Menschen, die ihre Alltagswege nicht ohne Auto zur\u00fccklegen k\u00f6nnen, weil das Alternativangebot fehlt oder nicht ausreicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00d6konomische Ungleichheit ist f\u00fcr die Klimapolitik auf zwei Ebenen ein Problem. Am oberen Ende f\u00fchrt \u00fcberm\u00e4\u00dfiger individueller Reichtum zu \u00fcberm\u00e4\u00dfigem Ressourcenverbrauch (z.B. CO2-Aussto\u00df von Privatjets, Boden- und Energieverbrauch durch gro\u00dfe mehrfach-Wohnsitze). Am unteren Ende ist die allt\u00e4gliche Sorge um die Finanzierbarkeit des t\u00e4glichen Lebens so gro\u00df, dass sie in ihrer Dringlichkeit jene um die Klimakrise \u00fcberwiegt. Appelle an eine freiwillige, individuelle \u00c4nderung des Konsumverhaltens \u2013 etwa eine umweltfreundlichere Ern\u00e4hrung \u2013 gehen nicht nur ins Leere, sondern werden dann auch als ungerechte Kritik an der eigenen Art zu leben wahrgenommen. Das kann zu einer generellen Skepsis gegen\u00fcber einer ambitionierten Umwelt- und Klimapolitik f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die politische Ableitung daraus ist, dass es nicht nur essenziell ist, Klimapolitik mit einem sozialen Ausgleich zu versehen. Ohne eine Reduktion der Ungleichheit an sich wird eine effektive Klimapolitik per se noch schwieriger.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Europ\u00e4ische Kommission hat in ihrem Green Deal die soziale Dimension der Klimapolitik erkannt und zumindest entsprechende Ausgleichsma\u00dfnahmen dazu vorgeschlagen. Speziell ist dabei die Schaffung eines \u201eKlima-Sozialfonds\u201c zu nennen, der aus dem EU-Haushalt gespeist wird und es den Mitgliedstaaten erm\u00f6glichen soll, die B\u00fcrgerInnen direkt finanziell zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Investitionen erm\u00f6glichen und t\u00e4tigen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dass die \u00f6kologische Transformation einen massiven Investitionsbedarf mit sich bringt, ist unbestritten. Wenn Instrumente wie etwa eine sozial abgefederte CO2-Bepreisung funktionieren und dementsprechend zu einer \u00f6kologischen Anpassung der Lebensweise f\u00fchren sollen, dann braucht es entsprechende Handlungsalternativen, wie etwa ein gut ausgebautes \u00f6ffentliches Verkehrssystem.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Europ\u00e4ische Kommission geht in ihrem Green New Deal von einem Investitionsbedarf von etwa 260 Milliarden Euro pro Jahr aus, andere sehen den Bedarf deutlich h\u00f6her (siehe z.B. Kapeller et.al. mit einem Investitionsbedarf von bis zu 855 Milliarden Euro pro Jahr bis 2030). Wer diese Investitionen t\u00e4tigen soll, ist dabei weniger klar. In vielen Berechnungen, darunter jener der Europ\u00e4ischen Kommission, wird von einer hohen Investitionsleistung des privaten Sektors ausgegangen. Ob diese im notwendigen Ma\u00dfe eintreten wird, ist Gegenstand kontroversieller Diskussionen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Rolle der \u00f6ffentlichen Hand als Investorin f\u00fcr die Erreichung der Klimaziele wird von hoher Bedeutung sein. Alleine die Errichtung hochwertiger Infrastrukturanlagen (z.B. Ausbau des Schienennetzes), aber auch das Gestalten und Vorantreiben von Innovationsprozessen z\u00e4hlen zu den Aufgaben staatlicher Strukturen. Daf\u00fcr braucht es auch die n\u00f6tigen fiskalischen Spielr\u00e4ume.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Die Auswirkungen der Klimakrise abfedern<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Klimakrise wirkt sich auf unterschiedliche Bev\u00f6lkerungsgruppen unterschiedlich stark aus. Dabei leiden speziell jene Menschen, die \u00fcber weniger Ressourcen verf\u00fcgen. Diese wohnen in g\u00fcnstigen Wohngegenden, oft in oder neben Industriegebieten oder an stark befahrenen Stra\u00dfen. Das vermehrte Auftreten l\u00e4ngerer Hitzeperioden im Sommer trifft jene mit nicht-klimatisierten Wohnungen und ohne Wochenendhaus im Gr\u00fcnen, aber auch ArbeitnehmerInnen besonders hart. Hohe Temperaturen am Arbeitsplatz sind gesundheitsgef\u00e4hrdend und beeintr\u00e4chtigen die Leistungsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dazu sollte es arbeitsrechtliche Gegenma\u00dfnahmen geben. ArbeitgeberInnen sollten ab Raumtemperaturen \u00fcber 25\u00b0C verpflichtet werden, geeignete Ma\u00dfnahmen zur K\u00fchlung der R\u00e4umlichkeiten zu setzen. Bei einer Raumtemperatur \u00fcber 30\u00b0C ist abgesehen von bestimmten Arbeiten mit hoher W\u00e4rmestrahlung, die durch das Arbeitsverfahren bedingt sind, die Arbeit nicht zumutbar. Regelungsbedarf gibt es auch bei der Arbeit im Freien, insbesondere auf Baustellen, die zu regelrechten Hitzeinseln werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Dekarbonisierung der Industrie betrifft somit in einem hohen Ausma\u00df ArbeitnehmerInnen, f\u00fcr die ausreichende Mittel f\u00fcr (Re-)Qualifizierungsma\u00dfnahmen und Initiativen f\u00fcr Umschulungen auf zukunftssichere Berufe, Beratung und Begleitung zur Verf\u00fcgung gestellt werden m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":1030,"template":"","class_list":["post-989","themenkapitel","type-themenkapitel","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/sv\/wp-json\/wp\/v2\/themenkapitel\/989","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/sv\/wp-json\/wp\/v2\/themenkapitel"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/sv\/wp-json\/wp\/v2\/types\/themenkapitel"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/sv\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1030"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.buergerforum-europa.at\/sv\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=989"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}